2018 ohne Literaturnobelpreis | In welcher Welt leben wir?

Der Skandal um den Literatur-Nobelpreis 2108

Es ist raus: Der Literatur Nobelpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben
Es ist raus: Der Literatur Nobelpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben Photo credits: Pixabay

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… wenn selbst der Literaturnobelpreis ausfällt? Nicht etwa, weil kein vernünftiges Buch auf dem Markt zu finden war, sondern weil sich die Jury nahezu selbst aufgelöst hat. Wir sind wieder beim Thema sexuellen Missbrauchs und dem Verschieben von Geldern.

Wir reden hier von einer kulturhistorischen Institution in Schweden, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1786 mit Literatur-Nobelpreis weltweit einen Namen gemacht hat. Und plötzlich steckt auch ein solch traditionelles Haus noch tiefer in der Krise als je zuvor. Wieder geht es um sexuellen Missbrauch, und das im Umfeld einer der bedeutendsten Jury Schwedens. Diese hat ihren Höhepunkt damit erreicht, dass die Jury nicht mehr handlungsfähig war. Grund dafür: Die schwindenden aktiven Mitglieder.

Eine Geschichte findet ihr jähes Ende

Nicht nur Skandale um sexuelle Belästigungen, sondern auch finanzielle Vorteilnahme sind Teil des Szenarios. Man könnte glauben, dass kulturelle Institutionen mit besonders hohem Wert auch durch innere Kraft und Charakterstärke glänzen. Doch dem ist anscheinend nicht so. Finanzielle Vorteilnahme kann ebensogut als Korruption oder Vetternwirtschaft bezeichnet werden, denn um nichts anderes geht es, wenn sich Menschen Vorteile verschaffen und mit ihrer Arbeit (in diesem Falle ein Stockholmer Kulturforum) nationales und internationales Ansehen erlangen. Nach bisherigen Aussagen hat Jean-Claude Arnault Gelder für das Kulturforum von der Schwedischen Akademie erhalten. Wie der Zufall es will, saß seine Frau Katarina Frostenson in einer Jury, die über die Vergabe dieser Gelder entschied. Schon zu einem Zeitpunkt, als Arnault über anstehende Literatur-Nobelpreisträger plauderte, sollte Frostenson auf das Drängen einiger Mitglieder der Akademie ausgeschlossen werden. Hier begann sich das Krisen-Rädchen schneller zu drehen.

Mit einem Schritt nach hinten dem Schweigen ein Ende gesetzt

Weil sich keine mehrheitliche Stimme finden liess, wählten einige Mitglieder der Akademie nun einen anderen Weg und erklärten, dass sie zukünftig nicht mehr an den Akademie-Sitzungen teilnehmen würden. Wissentlich, dass die Jury damit handlungsfähig sein würde? Wir wissen es nicht. Im Grunde genommen haben diese Jurymitglieder mit ihrem Rückzug Charakter gezeigt und eine zeitnahe Lösung des Problems provoziert. Im Sinne und dem internationalen Ansehen der Schwedischen Akademie. Wer nicht gehört wird, geht zuweilen unspektakuläre Schritte. Tatsache jedoch ist, dass sich die Situation auch nach der Änderung des Statuts durch König Karl Gustav XVI. nicht hinreichend positiv veränderte und am 4. Mai 2018 bekanntgegeben wurde, dass der Literatur-Nobelpreis in diesem Jahr nicht vergeben werde.

Charakterstärke lässt sich nicht erkaufen

Der Mensch fühlt sich schon immer von Macht, Ruhm und Geld angezogen. Während sich heute jede Gesellschaft als zivilisiert und modern bezeichnet, leidet sie doch unter der Gier nach den Dingen, die sprichwörtlich den Charakter verderben. Männer betatschen Frauen, Frauen lieben das Geld und hinter versteckten Türen entstehen Geschichten, von denen wir glauben, die Menschheit hätte sie längst hinter sich gelassen. Doch so edel sind wir dann alle doch nicht. Leider. Hoffen wir einfach auf bessere Tage. In Fall des Literaturnobelpreises 2018 haben Menschen Rückgrat gezeigt und das brauchen wir in diesen Tagen viel mehr. 

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