2. Oktober 2022 Ihr Lifestyle Magazin | Unabhängig, ehrlich, immer online
Ankerkraut, Nestle, Lifestyle Magazin

Aufstieg und Verkauf – Der Fall Ankerkraut & Nestlé

Ankerkraut Nestle, Lifestyle Magazin
Screenshot Twitter

Wieder ein Startup, das sich in den Himmel verkauft hat. Am 13. April gab Ankerkraut per Twitter bekannt, dass Nestlé nun Mehrheitseigentümer ist. Gelungener Marketing Coup oder Seele verkauft? Social Media ist sauer bis angebrannt und damit zeigt sich auch wieder der Stellenwert, den Nestlé in der Gesellschaft hat. Denn es scheint viele bis sehr viele zu geben, die sich weder mit der Marke noch mit den Süsskram-Produkten identifizieren. Damit verabschieden sie sich auch von den beliebten Ankerkraut Gewürzmischungen.

Marketing Strategen sagen: Alles richtig gemacht!

Diese Perspektive mag stimmen, wenn der Kopf allein in Richtung Geld geht. Schwamm drüber. Doch die Übernahme von Nestlé hat noch einen anderen Beigeschmack, der bitter am Zungengrund liegt. Bekanntheit erlangte Ankerkraut mit seinen liebevoll verpackten Gewürzmischungen nämlich in der „Höhle der Löwen“, dort wo Startups Investoren suchen, um eine gute Produktidee erfolgreich zu vermarkten. Da ist es wieder, dieses Wort „Startup“ …

Aufbauen und teuer verkaufen

… sind das nicht die, die immer so tun, als hätten sie kein Geld und wollen alles umsonst? Mh, es gibt einige davon. Mit dick geprallten Porte­mon­naies ihrer Investoren im Hintergrund treten sie als arme Unternehmer auf, rollen mit den Augen und möchten Service- und Dienstleistungen gern umsonst oder für einen kleinen Obolus. So lief es in den letzten Jahren häufig ab. Einen guten Ruf haben sich Startups mit dieser Strategie nicht geschaffen.

Auch die „Höhle der Löwen“ ist ein Sprungbrett. So ergatterte sich „Presize“ erst 650.000 Euro durch Maschmeyer. Es dauerte nicht lange, bis Marc Zuckerberg mit seinem Unternehmen Meta zuschlug und das kleine Münchener Startup für eine bislang unbekannte Summe zu 100% verkaufte. Mit ähnlichem Portfolio jetzt auch Ankerkraut Nestlé. Gut möglich, dass sich dieser Deal nachhaltig auf zukünftige Startups auswirkt. Neulinge auf dem Markt könnten es deutlich schwerer haben.

Der Idealismus der Gegenwart

Mit sechs- bis siebenstelligen Erlösen hat das Startup Profil in Deutschland Schule gemacht. Die Frage ist, wie lange noch. Gut möglich, dass die Verbindung Ankerkraut Nestlé jetzt Verbrauchern die Augen öffnet. Denn hinter dem augenscheinlichen Idealismus, anders zu sein als grosse Konzerne, zeigt sich am Ende dann doch: Es geht immer nur ums Geld. Und genau daran stören sich Verbraucher. Das am Ende nicht der Mensch, sondern das Geld mehr wiegt. Und kein anderes Unternehmen hat sich in diesem Kontext einen derartig schlechten Ruf geholt wie Nestlé.

Eine Enttäuschung mehr. Denn es geht um den Menschen, um Arbeitsplätze, um Erfolg und auch um Traditionen. Nicht etwa um Neid wie einige es beschreiben würden. Werte sind nicht mit Geld zu bezahlen. Sie entstehen mit den Menschen, entwickeln sich und leben eine Innen-Aussen-Symbiose. Deutschland fehlt es an Traditionen, und es werden zusehens weniger. Schade für das einstige Land der Dichter und Denker. Bleibende Werte, etwas auf das man mit Stolz zurückblicken kann. Auch das ist der Wunsch vieler Menschen in Deutschland. Ankerkraut hat seine Position auf ein wachsendes, traditionelles deutsches Unternehmen verspielt. Denn mit dem Namen Nestlé lässt sich zwar Geld verdienen, aber keine Menschlichkeit halten. Und Nestlé lebt ganz gut damit.