Die EU will Wattestäbchen aus Plastik verbieten | Im Ernst?

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Wattestäbchen sind gewiss nicht der Kern des gesamten Problems | Photo credits: Pixabay

Soll ich jetzt weinen oder lachen? Von den 8,3 Milliarden Tonnen hergestellter Plastik zwischen 1950 und 2015 sollen jetzt also Wattestäbchen und Trinkhalme verboten werden. Zumal die Quelle (https://www.ksta.de/wirtschaft/wattestaebchen–plastikgeschirr-eu-will-zahlreiche-plastikprodukte-verbieten-30531112) bei der genannten Zahl nicht deutlich sagt, ob es sich um die weltweite oder nur deutschlandweite Produktion handelt. Da eine andere Quelle (http://www.foes.de/pdf/2017-01-FOES-Studie-Stoffliche-Nutzung-Rohbenzin.pdf) besagt, dass in Deutschland im Jahr 2012 19,8 Megatonnen Kunststoffpolymere hergestellt wurden, lässt sich diese enorm hohe Zahl auf Deutschland reduzieren. So, und jetzt werden also Wattestäbchen und Trinkhalme aus Plastik verboten.

Wir müssen global denken

Lassen Sie sich gerade von dieser Meldung beeindrucken? Dann gehen Sie mal eben durch Ihre Wohnung und schauen, wo Plastik zu finden ist: Der Fernseher, DVD-Player, Drucker, Computer, Küchenmaschine und Staubsauger. Wieviel Fizzy-Drink Flaschen von Plastik stehen in Ihrem Kühlschrank? „Ja, aber es sind doch Mehrwegflaschen!“ wollen Sie mir entgegenbringen? Egal, es ist Plastik. Denken Sie global und über Ihren Tellerrand hinaus. Denn das Problem mit Plastik liegt nicht nur im täglichen Bedarf, sondern auch an den unzähligen Elektrogeräten, die wir uns ständig zulegen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Geräte oft so hergestellt sind, dass sie nach zwei, spätestens drei Jahren ausgetauscht werden müssen. Im Hinblick auf Geräte wird von Komfort und moderner Technologie gesprochen. Was der Austausch eines Gerätes als Ballast für die Umwelt bedeutet, wird aus marktwirtschaftlicher Sicht auf eine andere Ebene verschoben.

Denken Sie doch noch einmal drüber nach! Wattestäbchen?

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Ihnen wird gerade eine große Errungenschaft in Sachen Umweltschutz verkauft, die schon im Mai 2018 verkündet wurde. Läge der Kern des Problems tatsächlich an einem Berg von Wattestäbchen, würde wohl kein Hahn danach krähen. Ebenfalls verboten werden sollen Strohhalme, die kleinen Stäbchen zum Umrühren von Getränken und endlich: Plastikgeschirr sowie Plastikbesteck. Dennoch: Des Pudels Kern ist und bleibt der Konsum des Einzelnen. Und das Bedürfnis zum Kauf liegt sehr nahe an der Wirtschaft, an jenen Konzernen, die Geld verdienen wollen und Geld verdient haben. Während die Politik gleichzeitig fleissig die Plastikproduktion subventionierte. Die beste Lösung ist, erst gar keinen Müll zu produzieren! 

Bestimmen Sie den Markt

Die Entscheidung, Plastikgeschirr oder Wattestäbchen aus Plastik zu nutzen, liegt in der Entscheidung des Einzelnen, also Ihnen. Wie so oft, bestimmt hier der Bedarf die Produktion. Nicht jedoch so bei allen Gerätschaften, die aus Plastik hergestellt und dem Kunden keine Alternative bieten. Wenn Gelder oder Subventionen fliessen sollten, dann doch wohl in die Richtung neuer Materialien, die Kunststoffe ersetzen. Eines der wenigen Unternehmen ist Dyson. Bei der Entwicklung neuer Staubsauger ist bereits die Materialauswahl neuer Produkte ein zentraler Faktor. Hier geht es um einen ewig langen Lebenszyklus der Geräte, und eben nicht um den schnellen Austausch im Sinne der Gewinnmaximierung. Dyson arbeitet ressourcenschonend, vom Rohstoff bis hin zum Transport in die Filiale. So sollte es sein. Auf ganz verständliche und natürliche Art und Weise.

Entscheidung vertagt | Na dann auf eine weitere Runde Plastikgeschirr!
Ich erwarte von zeitgemäßer Politik, dass sie Prioritäten setzt. Das bedeutet oft, wie auch hier, an die Hersteller heranzutreten. Statt sinnloser Steuern sollten umweltfreundliche Produkte bzw. deren Entwicklung gefördert werden. Und das weltweit.Daniela Shams

Übrigens, Wattestäbchen und der Plastikteller sind noch nicht ganz verbannt. Denn die endgültige Entscheidung steht noch aus und wird im nächsten Jahr getroffen. Fein, bei wirklich wichtigen Dingen ist die EU mit ihren exorbitanten Ergebnissen immer ganz schnell. Parallel könnten neue Produkte auf den Weg gebracht werden, die aus recyceltem Kunststoff hergestellt werden. Statt dessen wird der größere Teil der Unternehmen weiterhin fleißig mit der Produktion von Plastik unterstützt.

Weitere Möglichkeiten, Plastik zu recyceln:

    • Mülltonnen
    • Dübel aus recyltem Plastik
    • Mülleimer für den Haushalt
    • Mülltüten
    • Fenster- oder Schrankgriffe
    • Gießkannen
    • Wäscheklammern
    • Obstkisten
    • Wäschekörbe
    • Spielzeug
    • Müllschippen
    • Badekappen
    • Regentonnen  

Plastik ist und bleibt ein seelenloses Element

Plastik hat keinen Charme, keine Seele. Ich verweigere mich deshalb schon lange vielen Dinge in meinem Haushalt. Was andere als praktisch empfinden, ist für mich nur seelenlos und hässlich. Die obige Liste zeigt nur einige Beispiele aus dem täglichen Leben, die durch recyceltes Plastik ersetzt werden könnten. Firmen wie Adidas haben sich bereits dazu entschlossen, aus dem Pilotprojekt eine komplette Produktlinie zu entwerfen. Doch diese Umstellung braucht Zeit, nicht zuletzt, weil wiederverwertetes Plastik einen Preisunterschied bis zu 20 Prozent in der Herstellung ausmacht. Da ist es wieder, das liebe Thema vom Geld. Ja, warum unterstützt die Politik denn solche Veränderungsprozesse nicht zeitnah?

Übrigens, wussten Sie …

… dass es wohl China war, der dem komfortgeplagten Europa den Todesstoss in Sachen Plastikmüll versetzte? Denn das riesige Land hatte keine Lust mehr auf den europäischen Plastikmüll und verhängte bereits Ende 2017 einen Importstopp für Plastikmüll.

Mit besten Grüssen, 

Ihre Daniela

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Über Daniela 200 Artikel
Daniela Shams ist Journalistin, Autorin und seit 2015 die Herausgeberin des Online Magazins Lifestyle4unique.