
von Daniela Shams, Journalistin und Herausgeberin des L4U Magazins
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Nachtzüge versprechen, Europa bequem zu bereisen, doch der noch junge European Sleeper stösst bei näherer Betrachtung auf Grenzen. Das Unternehmen plant neue Verbindungen, die Nachtzugreisen erleichtern sollen. Dennoch offenbaren sich Schwächen in der Abdeckung und im Komfort, die uns nachdenklich machen. Dieser Artikel greift die Entwicklungen auf und wirft einen genaueren Blick auf die Angebote, die Nachtzugreisen attraktiver als den Flug machen sollen.
Begrenzte Abdeckung in Deutschland
Der European Sleeper verbindet Städte wie Brüssel, Amsterdam, Berlin und Prag. In Deutschland halten die Züge lediglich an vier Bahnhöfen, zwei davon in Berlin; Berlin Ostbahnhof und Berlin Hauptbahnhof. Die anderen Stationen liegen in Bad Schandau und Dresden, die ebenso nah beieinander liegen. Der Norden und Westen Deutschlands bleiben von diesen Nachtzügen im Grunde ausgeschlossen. Reisende aus Regionen wie Hamburg oder Köln müssen auf Alternativen ausweichen. Andere Optionen bietet der ÖBB Nightjet, der Stationen wie Hamburg oder Düsseldorf anfährt. Hier ist das Streckennetz deutlich grösser, weshalb sich ein Blick auf die sehr übersichtliche Webseite des österreichischen Nachtzugs lohnt.
Preise und Komfort unter der Lupe
Die Buchungsseite des European Sleeper zeigt Preise ab 40 Euro für den Liegewagen von Berlin nach Amsterdam, abhängig von den Terminen. Bei beliebten Daten steigen die dynamisch konzipierten Preise auf knapp 50 Euro. Der Schlafwagen Comfort beginnt bei fast 100 Euro. Die Kabinen wirken veraltet, als wurden sie aus einer Zeitschleife der 80er Jahre herangespült. Doch Komfort spielt bei einer Nachtzugreise von zehn Stunden oder mehr eine zentrale Rolle, da man bequem schlafen möchte. Hier fehlt es an einem echten Vorteil. Zusätzlich kostet das kleine Frühstück im Liegewagen üppige 14 Euro. Wieder gibt es einen virtuellen Punktabzug für einen Preis, den man sonst im 3*-Hotel findet.
Interrail Züge und Eurail Passes erfordern zahlungspflichtige Reservierungen bei European Sleeper, die 11 bis 21 Euro für Budget kosten. Classic liegt bei 42 bis 74 Euro, Comfort bei 89 bis 179 Euro. Wenn die Reservierung im Classic Schlafwagen bereits bei 90 Euro startet und das Ticket hinzukommt, ergibt sich daraus kein günstiger Reisepreis. Gleiches gilt übrigens auch bei allen anderen Nachtzügen, soviel Zeit und Fairness muss sein.
Ein Hauch von Luxus: Der Nachtzug nach Paris
Im Vergleich dazu bieten die ÖBB Nachtzüge höhere Standards. Der ÖBB Schlafwagen übertrifft den Liegewagen deutlich mit privaten Kabinen und Premium Optionen wie Comfort Plus mit eigener Dusche. Die Mini Cabin im Nightjet ist etwas für sportliche Reisende ohne Platzangst. Man kann zwar gut und sicher in den Kabinen schlafen, der Platz ist jedoch spürbar eng. Das Gesamtpaket gewährleistet erholsame Nachtzugreisen, bei denen das Preis- Leistungsverhältnis stimmt. Es wäre wünschenswert, wenn der ÖBB Nachtzug sein Netzwerk in weitere europäische Länder ausdehnt statt Strecken wie Wien-Paris aufgrund fehlender Subventionen streichen zu müssen.
Schweizer Nachtzüge: Komfortabel aber zu teuer
Das Schweizer Nachtzugangebot verspricht bequeme Verbindungen in Europa, doch hohe Fahrpreise dämpfen schnell die Begeisterung. Viele Routen, wie der Nightjet von Zürich nach Hamburg oder Kooperationen mit ÖBB, starten bei über 200 CHF pro Fahrt im Schlafwagen, was für den Durchschnittsreisenden unerschwinglich ist. Bei einer Hin- und Rückfahrt summieren sich die Kosten leicht auf mehr als 500 Euro, was vielen die Lust am Zug verdirbt. Stattdessen greifen Passagiere zu günstigeren Alternativen wie Billigflügen, obwohl Nachtzüge mit ihrem Komfort eine attraktive Option darstellen könnten. Wieder kommen wir auf notwendige Subventionen zurück.
Investitionschancen mit Fragezeichen
European Sleeper bietet zur Realisierung seiner Strecken über Eyevestor Anteile ab 280 Euro an. Fast 5000 Investoren haben bereits über fünf Millionen Euro eingezahlt. Rabatte wie 20 Prozent auf Fahrten 2026 ab 2000 Euro oder 25 Prozent ab 3000 Euro für zwei Jahre klingen einladend, aber aufgrund der veralteten Kabinen nicht verführerisch. Gratis Tickets für die Paris Berlin Eröffnung ergänzen das Angebot, die Investition muss dafür entsprechend hoch sein. Angesichts der begrenzten Abdeckung und des Komforts stellt sich jedoch die Frage, ob sich diese Investition langfristig auszahlt.
Europäische Herausforderungen bremsen den Ausbau
Nachtzüge erfreuen sich bei Kunden grosser Beliebtheit und würden häufiger genutzt werden, solange der Preis stimmt. Hohe Kosten für Material, Trassen und Personal machen sie jedoch unrentabel. Finanzielle Unterstützungen seitens der Regierung oder der Europäischen Union sind daher essenziell. Die SBB hat den geplanten Nachtzug von Basel nach Kopenhagen und Malmö ab April 2026 aufgrund fehlender Subventionen absagen müssen. Das Parlament hat die Fördermittel nicht bewilligt. Betroffene Reisende erhalten ihre Billettpreise zurückerstattet. Und wir reden vom Klima?
Trotz grüner Politik in Europa fehlen Nachtzug Subventionen aus Brüssel. Nachtzüge lassen sich aufgrund ihrer Bauweise nicht wie normale Züge einsetzen. Deshalb streicht die ÖBB die Linie von Wien nach Paris. Andere Anbieter wie PKP Intercity mit Przemyśl München und RDC Deutschland mit Stockholm Berlin planen neue Strecken, die jedoch nur wenige Städte in Europa anfahren. Die ÖBB Nachtzüge bedienen viele Strecken und liefern zuverlässige Möglichkeiten für entspannte Reisen. Allerdings sind Länder wie Kroatien, Slowenien oder Ungarn bisher wenig in internationalen Nachtzugreisen berücksichtigt.
Der PKP Intercity betreibt internationale Verbindungen mit IC- und TLK-Zügen sowie Nachtzügen mit Schlafwagen und Liegewagen.
IC-Züge:
- Ukraine: Kiew, Lwiw
- Deutschland: Berlin
- Ungarn: Budapest
- Slowakei: Bratislava, Štúrovo
- Tschechien: Prag, Olomouc, Břeclav, Ostrava
- Österreich: Wien
- Belarus: Brest
TLK-Züge:
- Ukraine: Kiew, Lwiw, Odessa
- Russland: Smolensk, Moskau
- Belarus: Minsk, Grodno
Nachtzüge (Schlafwagen/Liegewagen):
- Warschau–Budapest (Ungarn)
- Warschau–Rijeka (Kroatien)
- Warschau–München (Deutschland)
- Gdynia–Prag (Tschechien)
- Łeba/Hel–Bohumin (Tschechien)
Nachtzugreisen erlauben es, nach dem Arbeitsalltag einzusteigen und zu entspannen. Statt hinter dem Steuer zu sitzen oder durch Flughäfen zu hasten, geniessen Passagiere die Fahrt. Das macht mit dem Zug reisen zu einer Option für Erholung. Der Ausblick auf das Jahr 2026 zeigt die neuen Strecken verschiedener Bahnanbieter an. In einem weiteren Artikel des L4U Magazins lernen Sie noch mehr europäische Nachtzüge kennen.
| Neue Strecke | Anbieter | Startjahr | Status |
|---|---|---|---|
| Paris-Berlin | European Sleeper | 2026 | Geplant |
| Amsterdam-Barcelona | European Sleeper | 2026 | Geplant |
| Basel-Malmö | SBB | 2026 | Abgesagt |
| Przemyśl-München | PKP Intercity | 2026 | Geplant |
| Stockholm-Berlin (Fortsetzung) | RDC Deutschland | 2026 | Geplant |
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