26. Februar 2024 Ihr unabhängiges Lifestyle Magazin L4U
flucht aus libyen nach europa

Flucht aus Libyen nach Europa

Warum erzähle ich diese Fluchtgeschichte? 

Meine Kritik gilt der europäischen Politik, und nicht dem Einzelnen, der sein Leben mit der Flucht nach Europa verbessern will. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass auch andere Menschen ein gutes Leben führen möchten. Es ist höchste Zeit, dass Politiker in ganz Europa ihre Wirtschafts- und Wachstumsstrategie verändern, um sogenannten „Entwicklungsländern“ tiefgreifend unter die Arme zu greifen. Doch solange Europa Hilfe nur stellt, wenn die eigenen finanziellen Interessen übereinstimmen, kann dieses Konstrukt nur zerbrechen.

Ich habe mir erzählen lassen, wie die Flucht aus Libyen organisiert ist. Es handelt sich um jemanden aus Bangladesch, der aufgrund der schlechten Wirtschaftslage Arbeit suchte. Zu seinem Schutz halte ich seine Identität geheim. 

Zurück nach Hause oder nach Europa?

Zu Hause gab es keine Arbeit, die Familie hatte kein Geld. Zu jener Zeit rief Gaddafi auf, nach Libyen zu kommen, um dort zu arbeiten. Versprochen wurde eine kostenlose Wohnung, Strom und Wasser frei, so erzählt er. Zur Erinnerung: https://www.spiegel.de/politik/ausland/kampf-gegen-gaddafi-uno-gibt-milliarden-summe-fuer-rebellen-frei-a-782512.html

Er ging ca. 2010 nach Libyen, arbeitete dort in einem Krankenhaus als Reinigungspersonal. Dann begann das Chaos, die Rebellion, Ghadafi verschwand von der Bildfläche. Der junge Mann Mitte 30 zu jener Zeit, hatte die Option, wieder in sein Heimatland zurückzukehren oder mit einem Flüchtlingsboot nach Europa zu gehen. Da ihn bei der Familie nur Armut erwartete, entschied er sich für den Transport mit einem Boot nach Italien. Für den Transfer von der libyschen Küste nach Lampedusa musste er 800 Euro zahlen. Nach seiner Aussage waren es Libyer, die den Transport organisierten.

Hier lesen Sie mehr in der Kolumne des Magazins.

An jene zahlte er auch die 800 Euro, im gleichen Atemzug musste er an sie seinen Pass abgeben. Es wurden Gruppen von Menschen gesammelt, dann wurde der Transport durchgeführt. Ziel: Lampedusa. Dort angekommen, wurde er mitsamt der gesamten Gruppe von den italienischen Behörden aufgenommen. Da weder Pass noch Ausweis vorhanden waren, wurden Name, Alter und Herkunftsland genannt. Im Anschluss ein neuer Pass ausgestellt. 

Heute lebt und arbeitet er in Italien. Er hat keinen Arbeitsvertrag und schickt einen grossen Teil des verdienten Geldes nach Hause zu seiner Familie. Update August 2020 Mittlerweile hat der Mann einen Arbeitsvertrag und in der Zwischenzeit auch seine Ehefrau nach Italien geholt.

Halten wir fest: Er war und ist bedürftig, in seinem Heimatland sieht es schlecht aus, Arbeit zu finden. Zumindest für ihn, da seine Ausbildung kaum über die ersten paar Schuljahre hinausgeht. Aber gesagt werden muss auch: Er ist kein Flüchtling, der vor Krieg oder politischer Verfolgung sein Heimatland verlassen hat. Solange dieser Unterschied nicht von der Asyl- und Flüchtlingspolitik beachtet wird, wird der Strom der Flüchtlinge, die nach Europa wollen, nicht abreissen. Und diesem Punkt gilt meine Kritik. Nicht dem Einzelnen.

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