Der australische Künstler Lindsay McAuley verwandelt Metall in ein monumentales Glockenspiel zum 100. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs
Redaktion des L4U Magazins
Es gibt Ideen, die so gross sind, dass sie einem den Atem nehmen. Das Peace of Metal Projekt gehört dazu. Der australische Künstler Lindsay McAuley arbeitet seit fast 30 Jahren an einer Vision, die Geschichte schreiben könnte. Eine Symbiose aus alten (seelischen) Kriegsverletzungen und der Sehnsucht nach innerer Heilung sollen riesige Glocken entstehen. Nicht irgendwelche Glocken. Sondern ein akustisch verfeinertes Carillon der Klangheilung, das grösste Musikinstrument, das jemals in dieser Form konzipiert wurde.
Daniela Shams, Herausgeberin des L4U Magazins, hat Lindsay McAuley für ein exklusives Interview getroffen. Das Gespräch zeigt einen aussergewöhnlichen Mann mit einer Mission, die weit über konventionelle Kunst hinausgeht. Und er bleibt dabei ruhig und bescheiden.
2045: Ein Jahrhundert nach dem Krieg
Das Jahr 2045 markiert den 100. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. Anlässlich zu diesem historischen Meilenstein entstand das Projekt Peace of Metal. McAuley hat hunderte E-Mails an Weltführer und Botschafter aller UN Mitgliedsstaaten gesendet. Die Einladung zu diesem ungewöhnlichen Projekt ist unmissverständlich. Jede Nation soll einen symbolischen Beitrag leisten zu einem Monument internationaler Versöhnung, Frieden und innerer Heilung.
Der Hintergrund: Europas gestohlene Kirchenglocken
Die Idee dreht eine dunkle Geschichte um. Zwischen 1939 und 1945 konfiszierte Nazideutschland über 175.000 Kirchenglocken in ganz Europa. Das Metall wurde eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet. Peace of Metal kehrt diesen Prozess symbolisch um. Glocke für Glocke. Damit wird die innere Heilung der Verluste in Gang gesetzt, so Lindsay McAuley.
Der Prozess: Von der Waffe zur Glocke
Jede teilnehmende Regierung wird gebeten, ein Stück ausgemusterter militärischer Ausrüstung zur Verfügung zu stellen, das dem metallurgischen Prozess hinzugefügt wird.
Die Kosten für das Giessen einer Glocke mit einer Höhe zwischen 1 und 1,5 Metern werden übernommen. Jede Glocke wird gelagert, bis sich eine Nation bereit erklärt, als Gastgeber für das monumentale Klanginstrument zu fungieren.
Warum Kupfer und Messing entscheidend sind
McAuley ist Künstler und Perfektionist zugleich. Seine Begründung für die Materialwahl ist ebenso poetisch wie physikalisch fundiert. Es ist unmöglich, reinen harmonischen Klang aus unreinem Metall zu erzeugen. Das Ziel ist ein akustisch verfeinertes Instrument der Klangheilung. Keine Kompromisse bei der Qualität. Die Glocken sollen nicht nur Symbol sein. Sie sollen klingen. Rein, tief, harmonisch und heilsam für jeden Besucher, der sie hört.
88 Tasten, 88 Nationen, ein Klang
McAuley plant kein abstraktes Kunstwerk. Er plant ein spielbares Instrument. Ein Klavier hat 88 Tasten. Das Carillon soll 88 Glocken umfassen. Jede Glocke entspricht einer Note. Jede Note repräsentiert ein Land.
Die Technologie existiert bereits. Die australische Firma Ausbell hat die Expertise, Glocken mit einem Keyboard oder automatischen Mechanismus zu verbinden. Das bedeutet, das Instrument könnte interaktiv gespielt werden. Sogar aus der Ferne.
Im Interview mit Daniela Shams erklärt McAuley seine Vision. Es geht um einen harmonischen Raum der kollektiven Heilung. Die Kraft von Klangfrequenzen soll Menschen zusammenbringen. Jede Glocke wird etwa 1,2 Meter hoch sein. Kulturell bedeutsame Motive werden jede Nation kennzeichnen.
Australien macht den ersten Schritt
Im Juni 2025 hat Australien offiziell zugesagt, ausgemustertes Militärmetall beizusteuern. Damit ist Australien das erste Land, das auf McAuleys Aufruf reagiert. Die Australian Defence Force hat das Projekt auf ihre Interessenliste für militärische Ausrüstungsentsorgung gesetzt.
Noch bedeutsamer ist die Unterstützung auf höchster Ebene. Australien hilft McAuley dabei, Peace of Metal den Vereinten Nationen zu präsentieren. Die Strategic Communications and Outreach Unit des Department of Peacekeeping Operations ist eingebunden. Das Projekt hat damit eine offizielle Plattform erreicht.
McAuley formuliert es herausfordernd. Die Nation ohne Furcht wird die erste Glocke giessen. In Zeiten steigender Verteidigungsbudgets und globaler Unsicherheit erfordert die Teilnahme Mut. Sie ist ein Akt der Führung und Menschlichkeit.
Das Interview: Wenn Empathie auf Vision trifft
Daniela Shams führt das Gespräch mit ihrer charakteristischen Wärme. Sie stellt Fragen, die tief gehen. Man spürt echtes Interesse, nicht etwa journalistische Routine. Lindsay McAuley öffnet sich, erzählt von den Anfängen seiner Idee vor fast drei Jahrzehnten, von den logistischen Hürden, die das Projekt zunächst stoppten, und von der erneuerten Dringlichkeit in einer Welt voller Konflikte.
Besonders eindrücklich erklärt er die Verbindung zwischen Material und Klang. Die symbolische Geste, Patronenhülsen einzuschmelzen, ist nur ein Teil des gesamten Projekts. Der andere Teil ist die Akustik. Kupfer und Messing erzeugen den reinen Ton, den Klangheilung braucht. Unreines Metall, etwa Stahl aus Panzern, würde dumpf und dissonant klingen. McAuley will intensive Harmonie. Buchstäblich.
Das vollständige Interview als Video auf Youtube
Das Gespräch zeigt auch die praktischen Aspekte. Der Prozess ist klar definiert. Jede teilnehmende Regierung stellt eine symbolische Menge ausgemustertes Kupfer oder Messing zur Verfügung. Patronenhülsen sind ideal. Dieses Material wird dem metallurgischen Prozess hinzugefügt. Die Regierung finanziert das Giessen einer Glocke. Die Glocken werden gelagert, bis ein Gastgeberland feststeht.
Ein Gastgeberland wird Geschichte schreiben
Ein Land wird das Peace of Metal Monument beherbergen. Diese Nation erhält kulturelles Prestige und wirtschaftliche Chancen. Sie wird ein globales Zentrum der Erinnerung, ein Anziehungspunkt für internationalen Tourismus.
Der finale Standort steht noch nicht fest. Aber die Glocken können jetzt schon gegossen werden. In Vorbereitung auf ihren zukünftigen Bestimmungsort. Das macht das Projekt greifbar. Es wartet nicht auf perfekte Bedingungen. Es schafft Fakten.
McAuley selbst ist ein Mann mit aussergewöhnlichem Hintergrund. Aufgewachsen auf einer Schaf und Rinderstation im Outback von Queensland. Gereist durch 47 Länder auf allen sieben Kontinenten. Ausgezeichnet für visuelle Kunst und Filmemachen. Autor von Büchern über die Maya Zivilisation und Romanen. Ein Forscher, der Anatomie, Astronomie und Mathematik verbindet. Peace of Metal ist die Summe all dieser Erfahrungen.
Warum die Welt dieses Projekt braucht
In Zeiten eskalierender Konflikte wirkt Peace of Metal wie ein Gegenentwurf zur Resignation. Während Nachrichten von steigenden Militärbudgets berichten, arbeitet hier jemand daran, Munition in Musik zu verwandeln. Das ist mehr als Symbolik. Das ist ein physisches Statement für Versöhnung.
Die Glocken werden nicht nur klingen. Sie werden erinnern. An den Krieg, der ihr Material ursprünglich hervorbrachte. An jeden Menschen, der für Frieden sein Leben gab. Und an die Möglichkeit, dass Nationen zusammenarbeiten können.
McAuley ruft jeden Einzelnen zum Handeln auf. Will Ihre Nation den Ruf beantworten? Werden Sie sich daran beteiligen, die Welt positiv zu verändern? Menschen aus aller Welt könnten ihre lokalen Regierungsvertreter kontaktieren und zu einer Zusammenarbeit für Peace of Metal ermutigen. So einfach beginnt Veränderung.
Ein Kunstwerk, das die Welt verändern könnte
Das Wettrennen hat begonnen. Australien führt. Wer folgt? Die Frage richtet sich an Nationen weltweit. An jede Regierung, die den Mut hat, Patronenhülsen oder Metall in ein Friedensinstrument für die Welt zu verwandeln.
Das Interview, das Daniela Shams geführt hat, fängt die Seele des Projekts ein. Ihre einfühlsame Art, ihre Fähigkeit, Menschen zu öffnen ohne sie zu bedrängen, macht das Gespräch zu einem Dokument der Hoffnung. Man versteht nach diesem Interview, warum McAuley seit Jahrzehnten für diese Idee kämpft.
Peace of Metal ist ein work in progress. Es gibt keine Garantie für den Erfolg. Aber genau das macht es authentisch. Es ist keine Marketing Kampagne. Es ist eine ehrliche Vision, die auf die Zusammenarbeit der gesamten Welt angewiesen ist. Wer das Projekt verfolgen will, kann dies auf dem X Account von Peace of Metal tun.



