Tagebuch eines Virus

Covid-19, aktuell
Symbolbild. Der Covid-19 ist längst nicht so attraktiv. Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash

Wie der Covid-19 Virus den Alltag bestimmt

1. April 2020 Wenn Wissenschaft sich arrogant über Gesetze der Natur erhebt und eigene Regeln schafft, dann hat sie ihre Funktion überlebt: Zu forschen, und das in alle Richtungen. Erinnern wir uns kurz, sowohl das Robert-Koch-Institut als auch die Regierung waren vor einigen Wochen noch der Meinung: Alles nicht so schlimm. Covid-19 Virus? Bei UNS doch nicht! Wie kann es sein, dass ein renommiertes Institut derart falsch liegt, und das gleich mehrmals?

Kritiker beschweren sich, dass auch andere Grippewellen zig Tote zur Folge hatten und kein Hahn danach krähte. Diese Schuldzuweisungen interessieren mich nicht. Was mich vielmehr interessiert: Wie kann es sein, dass trotz guter Lebensbedingungen, ausreichend Lebensmittel und einer gesunden Lebensführung dennoch so viele Menschen jährlich an der Grippe erkranken und sterben?

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Denken wir nur an die Grippe-Impfung. Wie viele lassen sich impfen? Und ungeachtet all dieser Tatsachen erhöht sich die Zahl der Erkrankten? Bakterien und Viren sind Teil der Natur. Sie haben eine Funktion, so wie jedes Element im Naturkreislauf. Ist es richtig, dass sich der Mensch über Gesetzmässigkeiten der Natur hinwegsetzt? Mittlerweile ist der Ursprung des Covid-19 Virus aus dem Fokus geraten. Dennoch wäre es für die Zukunft wichtig zu wissen, woher er stammt. Denn sollte er aus einem Labor entschlüpft sein, was möglich wäre, dann muss sich die Wissenschaft die Frage gefallen lassen? Wo ist Sinn und Nutzen eines Impfstoffes, wenn ein einziger Virus in kürzester Zeit Menschen auf der Welt dahinrafft.


25. März 2020 Ursprünglich dachte ich, ich könne jeden Tag ein paar Worte zur Situation hier in Italien schreiben. Doch das kann ich nicht. Es geht einfach nicht. Die Tage sind sehr emotional geworden, strapaziös. Manchmal bin ich so angespannt, dass ich es nicht fertigbringe, über diesen Covid-19 Virus zu schreiben. In den letzten Tagen musste ich halbwegs verarbeiten, was ich gelesen und gesehen habe. Mittlerweile sind es 8000 Tote in Italien, eine unvorstellbare Zahl in nur zwei Monaten. Hier in Umbrien ist die Zahl der Erkrankten innerhalb von zwei, drei Tagen von 300 auf mehr als 600 angestiegen. Er kommt näher, immer näher …

Auch die Aussagen von Ärzten sind mehr als erschreckend. Patienten sterben allein, ohne ihre Angehörige, leiden, unter der Atemnot. Kein Abschied, keine Umarmung, kein tröstendes Lächeln. Keine Trauerfeier zur Bestattung.

Covid-19 – Ein bisschen wie im Kriegszustand

Gerade fährt ein Wagen der „Civile Protezione“ durch mein Dorf. Mit einer Durchsage zur Notsituation. Es wird aufgerufen, dringend zu Hause zu bleiben, mit Hunden nicht mehr als 200 Meter rauszugehen und einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen zu halten. Zwar habe ich keinen Hund, aber mir fehlt trotzdem die Bewegung! Ich möchte laufen, mich bewegen! Also gehe ich nur eine kurze Runde um das Haus, um ein wenig frische Luft zu bekommen.

Ich habe keine Lust mehr auf den Covid-19

Ich versuche zu geniessen, vielleicht auch zu lachen oder mich mit Arbeit abzulenken. Doch auch mich hat die Krise getroffen. Es kommen nur wenige Aufträge und an Planung ist kaum zu denken. Die finanzielle Lage wirkt bedrohlich. Doch wie immer kämpfe ich mich durch den Sumpf. In den schlimmsten Zeiten hat mir immer eines geholfen: Augen zu, nicht nachdenken. Einen Schritt nach dem anderen. Auch bei starken Böen. Wenn ich falle, stehe ich wieder auf und setze wieder einen Fuss vor den anderen. Nehmen Sie es mir deshalb bitte nicht übel, wenn es mir nicht gelingt, täglich zu schreiben.


20. März 2020 Wieder ein Tag, an dem ich mich aus den deutschen News zum Covid-19 Virus zurückziehe. Ganz einfach, weil ich die Stimmung der Medien nicht aushalte. Ist das ein Unterhaltungsprogramm? Versteht dort jemand, wie ernst es ist? Das Fernsehen erinnert mich an die Hollywood-Filme aus den 80ern. 23 Tote scheinen noch nicht zu beeindrucken. Hier in Italien waren es gestern 427, heute 627. Die Leute sterben weg wie Fliegen – 627 an einem Tag, allein in Italien. Mir ist nicht nach „Huch wir haben Corona, aber wir bleiben bei guter Stimmung.“ Heute mag ich nicht mehr sagen.


19. März 2020 Die Morgen Nachrichten sagen heute morgen: 475 Tote in 24 Stunden in Italien. Ja, 1084 Patienten sind geheilt. In diesem Moment wiegt jedoch die Anzahl der Toten überwiegt. Es fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht und mahnt wieder, zu Hause zu bleiben. Ein geeintes Europa gibt es während dieser Pandemie nicht. Von mir aus kann der Verein aufgelöst oder von den Grundmauern vollständig erneuert werden.


18. März 2020 Der Covid-19 hält uns in Trab. Wieder wurden die Massnahmen hier in Italien verschärft. Das bereits vorhandene Zertifikat modifiziert. Nur damit ist es möglich, das Haus zu verlassen. Nur für unbedingt wichtige Erledigungen wie Einkauf, Arzt oder Apotheke.

200 Gründe weniger, das Haus zu verlassen

Momentan lese ich nur wenige Nachrichten, was das Thema betrifft. In der letzten Woche erschlugen mich die News aus Deutschland, Italien, Schweiz und Österreich. Doch ich muss stark bleiben. Und auch wenn ich hier auf dem Dorf noch relativ mild davon komme, ist das ständige Zuhause bleiben anstrengend. Nein, nicht das Zuhause bleiben ist anstrengend. Aber die wenigen Nachrichten, die damit zu tun haben. Hier in Umbrien sind die Infizierten auf 200 angestiegen. Ich habe Essen im Haus und muss also nicht wirklich raus. Gestern, beim Blick in den Spiegel dachte ich: Oh, ich muss mir die Haare färben. – Nein, geht nicht. Ich fahre jetzt nicht wegen einer Haarfarbe in die Stadt. Also wachsen die ergrauten Strähnen jetzt heraus.

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Dafür empfinde ich die Massnahmen in Deutschland umso fragwürdiger. Politiker haben bis jetzt nicht begriffen, dass „flotten the Curve“ nicht dadurch erreicht wird, dass Kinder auf dem Spielplatz mit Abstand spielen oder Restaurants geöffnet sind. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, dass die gegenwärtige Situation genutzt wird, um die Corona-Impfung voranzutreiben. Die clevere Corona-Karte vom Wettermann Kachelmann zeigt, dass sich Deutschland auch hier wieder auf die vordersten Plätze gekämpft hat.

Kein Grund, um zu gratulieren und das macht mich wütend.

Denn mit Quarantäne und strikter Isolation könnten es weitaus weniger Erkrankte sein. Statt dessen wurde noch vor den ersten Massnahmen von einer Impfung gesprochen, die gebraucht wird. Ich befürchte, ein weiterer Schritt, um Zwangsimpfungen einzuführen. Nein, ich werde an dieser Stelle keine Diskussion über Impfungen anfangen, aber die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen muss gewährt bleiben. Und es ist erstaunlich, dass einfache Massnahmen, die für alle Erkrankungen gelten, unter den Tisch gekehrt werden.

Ich wünsche allen Menschen alles Liebe und Gesundheit. Nehmen Sie die Situation ernster als es die Regierung derzeitig tut! Alles Gute, bis morgen! Ihre Daniela


17. März 2020 Ich beginne heute mit dem „Coronavirus Tagebuch“. Wohin die Reise mich damit führt, weiss ich noch nicht. Einerseits sind es täglich viele Informationen, die es zu verarbeiten gilt. Andererseits tauchen jeden Tag neue Fragen und Gedanken auf. Inmitten der Anspannung fällt mir die Arbeit schwer, immer wieder entgleiten mir die Gedanken und führen mich in die Region, in der ich lebe aber auch nach Rom oder den Norden Italiens.

Dort ist die Situation am schlimmsten. In der Lombardei sind bereits 1000 Menschen gestorben – „Es ist doch nur eine Grippe.“ Nein, es ist eben keine normale Grippe, denn in der Kürze der Zeit und des heftigen Aufschlags rund um den Globus hat sich noch keine Grippe so aggressiv gezeigt wie der Covid-19 Virus. Und das sollten alle, die müde lächeln, bedenken. Wir befinden uns erst in Monat drei nach dem Outbreak in Wuhan.

Ich lebe in Italien. Im Zentrum des Landes von Covid-19. Vom ersten Tag an bin ich sozusagen mittendrin. Und beobachte, wie sich der hässliche Virus durch das Land zieht. Nicht etwa langsam, wie man es von einem Grippevirus erwarten würde. Nein, in rasender Geschwindigkeit.

Es geht nicht um den Tod allein

Es sind Nachrichten wie der Tod eines 46-jährigen Sanitäters, die meine Seele belasten. Ja, wie einfach wäre es nicht hinzuschauen. Aber warum? Verdienen nicht gerade die vielen Ärzte, Schwestern und Sanitäter in diesen Tagen unseren Respekt, unsere Aufmerksamkeit? Ist es nicht das Geringste, was wir in solchen Momenten tun können? Denn Schmerz teilen und Respekt entgegenbringen? Was wären wir ohne das medizinische Personal, das sich täglich der Gefahr einer Ansteckung aussetzt. Nein, das ist nicht theatralisch, sondern spiegelt die Realität wider, in der wir uns befinden.

Covid-19 ist kein Spass

Wenn ein Arzt aus Bergamo sagt: „Alle müssen zu Hause bleiben. Und niemand darf Kontakt zum anderen haben.“ Dann sollte auch der Letzte aufwachen. Denn niemand weiss, wer es überlebt. Und es ist nicht wahr, dass nur die Älteren sterben. Es geht auch nicht um den Tod allein. Es geht vor allem auch um den Schutz der anderen. Denn jeder Kontakt, jede Ansteckung könnte das Leben eines Menschen beenden.

Für heute verabschiede ich mich und widme mich meinen anderen Aufgaben. Bleiben Sie gesund! Herzlichst, Ihre Daniela