Achtung weg da Alte! Wie eine Generation abgestellt wird

Generation, Machtverschiebung, Luisa Neubauer
Ohne Respekt zu Generationen, die älter sind? "File:Luisa Neubauer 13.jpg" by Andol is licensed under CC BY-SA 4.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0

Last Updated on 3. August 2020 by Daniela

Jetzt soll die Machtverschiebung des Alters dank Luisa Neubauer reale Züge annehmen

Sie wissen schon, dass sie Ihre Grossmutter jetzt entsorgen müssen, oder? Und sollten Sie selbst in diesem Alter sein, dann haben sie Pech gehabt. Zumindest wenn es nach Luisa Neubauer geht. In ihrer Stern-Kolumne spricht sie die Machtverschiebung des Alters an, die längst stattgefunden hätte und greift damit ein weiteres Mal die Generation ihre eigenen Eltern und Grosseltern an. Nachhaltigkeit heisst für Luisa, von gestern zu lernen um es morgen besser zu machen. Aha, indem man älteren Generationen (wir reden hier von „60 plus minus“) den gesellschaftlichen Raum nimmt. 

Nachhaltigkeit vergleiche ich eher mit einem Kompost: Da entwickelt sich im Laufe eine nährreiche, homogene Masse, die neue Fruchtbarkeit erzeugt und für Verbesserungen sorgt. So wird aus verschiedenen Komponenten Neues geschaffen. Und richtig, ich rede hier nicht von Abfällen, weil ich sie als dieses nicht ansehe.

Man polt eine Identität nicht einfach um

Da wird jahrzehntelang eine gesunde Lebensweise, auf einen aktiven Lifestyle hingearbeitet. Da werden 50-Jährige dank aktivem Lifestyle als die neuen 30er verglichen – und dann das. Machtverschiebung des Alters. Diese Sichtweise reiht sich in die politische Landschaft ein. Traditionen Stück für Stück abschaffen, um dann jedem Trend hinterher zu rennen. Traditionen gehören auch immer zur Identität eines Landes und seiner Menschen.

Aktivisten der Gegenwart sehen nur ihre Generation

Was immer wieder in Neubauers Worten auffällt, sie spricht nicht von Menschen. Sie spricht nicht von Dank, sie spricht nicht von Gemeinsamkeit. Sie spricht davon etwas besser zu machen zu wollen, bla Klima, bla Auto, bla Umweltschutz. Ich vermisse den Blick zu den Menschen der Gesellschaft. Es gibt nur das „Wir Jungen“, der Rest wird offensichtlich ausgeklammert. 

… Alter verliert an Wert. Mehr Verachtung ist kaum erträglich

Sind das die Zukunftsvisionen der Grünen? Klammern wir die Alten einfach aus, weil: Sie sind ja schuld an der Misere! Jetzt sind nur die Jungen dran! 

Gleichzeitig macht Neubauer klar, dass sie für die angesprochene Machtverschiebung des Alters ihre Stimme nutzt um sich für ein nachhaltiges Leben einzusetzen. Und muss sich deshalb die Frage gefallen lassen: 

Wer wird in Neubauers Welt existieren dürfen? 

Neubauer sieht eine Chance, dass die Menschheit noch viel reissen könnte. Ja grossartig. Und das gelänge nur, wenn wir die Generation 35+ beiseite stellen und dann nochmal von vorn anfangen zu spielen? In dem wir ältere Generationen aussortieren?! Was für ein perfider Gedanke. Bildlich gesprochen nehmen wir Oma und Opa einfach vom Tisch weg und freuen uns, dass wir uns endlich so benehmen können wie wir wollen. 

Ale! Weiter im Trott mit kritikloser Wahrnehmung!

Die Vorstellung, dass eine junge Frau die Gesellschaft in Gruppen aufteilen und aussortieren will, ist gespenstisch und Menschen verachtend, zeigt parallel dazu auch die Unreife, die in diesem Alter normal ist. Dass jedoch die allgemeine Medienlandschaft jedes ihrer Worte kritiklos aufnimmt und sie feiert, ist umso unverständlicher. Hier wird weder mit Einfühlungsvermögen, noch mit Respekt oder einem gesellschaftlichen Verständnis gesprochen.

Diese junge Generation hat ein grundlegendes Problem: Sie ist weder fähig. noch willig, mit Älteren zu kommunizieren. Und das wird deutlich, wenn Neubauer mit Worten wie „… die Ängste und Verkrampftheit der 60-Jährigen (plus minus)“ um sich schlägt. Wo Lebenserfahrung fehlt, müssen Plattitüden her. 

Luise Neubauer sollte sich mal mit meiner Tochter unterhalten. Dann würde sie nämlich schnell feststellen dass genau diese Generation, die sie gerne von der Bildfläche nehmen möchte, mehr getan hat, als nur Tupperdosen zu kaufen. Im gleichen Atemzug wäre auch ein Gespräch mit ihrer Großmutter interessant. Denn die junge Generation der Gegenwart muss lernen, dass das Leben innere Balance verlangt um existieren zu können. Und zwar nicht nur aus der ökologischen Sicht einer Aktivistin, sondern vor allem aus dem Gleichgewicht, das die Natur in perfekter Weise geschaffen hat.

Ihre Kritik gegenüber Politikern ist berechtigt. Sie macht jedoch einen entscheidenden Fehler: Sie wechselt von den Verantwortlichen zu „Älteren“ und verschiebt die Schuld auf das Volk. Diese Lektion haben sie mitgenommen, die 20-Jährigen: Kräftig Schuld auf das Volk abladen, dann ist es emotional angepickst und fühlt sich im Zugzwang. Leider offenbart diese Taktik: Ich nehme mir, was ich brauche – ganz so, wie es die Regierung seit Jahrzehnten tut. Sie tritt in diese politischen Fussstapfen, einer Altersgruppe, die sie eigentlich kritisiert. Damit macht sie sich unglaubwürdig und erntet wiederum Kritik aus dem Volk, die dann mit „Verkrampftheit“ vom Tisch gewischt wird.

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Es ist das eine, verantwortliche Politiker für eine lahmarschige die Politik zur Rechenschaft zu ziehen. Das andere, die Menschen in der Gesellschaft im gleichen Atemzug anzugreifen und ihnen Ungerechtigkeit vorzuwerfen. Der Blickwinkel von 20-jährigen ist nun mal schmaler als der eines 40 oder 50-Jährigen. Mit jedem Lebensjahr erweitert sich diese Perspektive und Erfahrungen sammeln sich an. Vor allem Emotionen, denn sehr viele wissen sehr wohl, was falsch gelaufen ist.

Eine Brücke zwischen Jung und Alt würde Distanzen verkürzen

Nein Luisa, wir denken nicht, dass die Jungen die Welt retten. IHR glaubt das. Gäbe es Gespräche mit den Menschen in der Gesellschaft, würde sichtbar werden, dass die Differenzen gar nicht so gross sind, wie die junge Generation es glaubt. Ausserdem haben sie die Fähigkeit, Fehler einzugestehen – im Gegenteil von Politikern und 20-Jährigen. Es ist keineswegs so, dass sich niemand traut, etwas auszusprechen. Der Alltag zeigt eher, dass jeder, der sich kritisch äussert, medial zum Verschwörungstheoretiker gemacht wird.

Wir haben Euch auch nicht aufgefordert, freitags nicht mehr in die Schule zu gehen. Ihr nutzt nur ein einfaches Tool: Wer am lautesten schreit, wird gehört.  Es liegt in der Natur der Dinge, dass junge Generationen laut sind. Das ist völlig ok. Denn die ältere Generation kennt diesen Lebensmoment genau. Im Grunde genommen stehen sie hinter jungen Menschen, viele von ihnen unterstützen sie – um in der nächsten Woche zu hören, dass die Altersverschiebung der Macht längst begonnen hat? Ein möglicher Weg, aber ein sehr unmenschlicher.

Wenn die Politik der vergangenen Jahre so sehr verachtet wird, warum nutzen junge Aktivisten der Gegenwart genau dieselben Tools um sich durchzusetzen?

Ähnlich ist es mit dem Wahlrecht ab 16. Das sind junge Menschen, die gerade die Schule abgeschlossen haben, die noch nicht wissen, wohin ihre Reise geht, die die Welt kennenlernen wollen, Erfahrungen suchen. Sie mit der Verantwortung einer Wahl käme einer Belastung gleich, die ihnen die Leichtigkeit des Lebens nimmt.

Natürlich fühlen sie sich bereit. Genauso bereit, wie ein 8-Jähriger glaubt, er könne mit seinen Lego-Steinen ein Raumschiff basteln, um dann zum Mond zu fliegen. Erst, wenn er gelernt hat, wie ein Raumschiff gebaut wird um es zu fliegen, wird er seine Träume verwirklichen können. Es sind seine Lehrer, die Älteren, die ihn dazu befähigen und unterrichten werden, liebe Luisa. Das solltest Du nicht ausser Acht lassen. 

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