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Religiöse Bräuche: Bist Du bereit für die Fastenzeit?

Mit dem Aschermittwoch beginnt sie wieder: Die Fastenzeit. Doch wer kennt sie noch, die 40 Tage andauernde Phase, die mit dem Verzicht auf Fleisch und weltlichen Gelüsten einhergeht. Ich greife gern diese Tradition auf, die Kultur und Geschichte beschreibt. So auch die Fastenzeit. Schauen wir, was es mit der Vorbereitung auf das Osterfest auf sich hat.

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Nach dem Karneval beginnt die Fastenzeit!

Der Karneval ist vorbei, und mit dem Aschermittwoch beginnt die 40tägige Fastenzeit. Nun, gefeiert haben wir in diesem Jahr nicht sehr viel. Diese Regel braucht fast keinen Kalender, denn auf welches Datum auch immer der Aschermittwoch fällt, mit ihm beginnt die Zeit der Besinnung, Zeit der Buße. Berechnet wird die Fastenzeit immer auf Basis des Ostersonntages, damit ist auch die Karnevalszeit in ihren Daten beweglich. Nach 40 Tagen endet sie mit dem Gründonnerstag und läutet gleichzeitig die Osterwoche ein. Geschmeidige Übergänge in einer Zeit, die oft von Härte geprägt ist.

Auch wenn der Karfreitag und der Karsamstag ebenso zur Fastenzeit gehören, werden sie nicht zu den 40 Tagen des Fastens gezählt. Ebenso interessant: Sonntage werden in der Fastenzeit nicht mitgezählt, und das erklärt, warum es rein rechnerisch vom Aschermittwoch bis zum Gründonnerstag mehr als 40 Tage sind.

Was geschieht in der Fastenzeit?

Während der 40 Tage sollen christliche oder katholische Gläubige auf den Genuss verzichten. An erster Stelle wären hier wohl Alkohol, Fleisch, Schokolade aber auch Parties zu nennen. Empfohlen werden eine vollständige Mahlzeit und zwei weitere kleine Mahlzeiten zur Stärkung, zusätzlich wird am Freitag kein Fleisch gegessen. Hier findet sich der Grund für den üblichen „Fisch-Freitag“, der bis heute in Kindergärten, Schulen und Kantinen eingehalten wird.

Dabei wäre es so gut, für eine kurze Zeit zu entsagen. Verloren gegangen ist die Verbindung nach innen, mit der Einsicht etwas Gutes für sich zu tun, aber auch der inneren Stärke. Unterschwellig haben sich die Gedanken an die eigene Gesundheit radikal verändert: Der Arzt weiss das schon. Meine Krankenversicherung übernimmt das. Ich bin geimpft.

Zeit der Erneuerung

Alles Gedanken, die zum Äusseren winken aber nicht nach innen gehen. Doch gerade in einer Phase, in der sich so viele Menschen verloren fühlen, nicht wissen, ob sie entweder faul oder depressiv sind, wäre es wichtig, den Weg nach innen einzulenken. Die Fastenzeit kann deshalb auch mit dem Aufräumen der Seele verglichen werden. Wieder Ordnung herstellen, um sich gut zu fühlen.

Das Fasten ist übrigens keine Erfindung der christlichen oder katholischen Welt. Fastentage gibt es in jeder Religion, so auch im Islam beispielsweise. Selbst noch früher, zu Zeiten von Hippokrates, war das Fasten bekannt und wurde von ihm empfohlen – auch ohne kirchlichen Hintergrund. Die Zahl 40 ist dabei nicht zufällig gewählt. Die Geschichte besagt, dass Jesus 40 Tage lang in der Wüste fastete.

Auch der Weg der Israeliten dauerte über den Zeitraum von 40 Tagen. Und auch Moses begegnet auf dem Berg Sinai erst nach 40 Tagen Gott und empfängt die Zehn Gebote. Letztendlich wird auch die Auferstehung von Jesus Christus nach 40 Tagen mit der Himmelfahrt gefeiert. Auch die Universal-Gelehrte Hildegard von Bingen sagte bereits im Mittelalter:

„Wer nicht ganz gesund und noch nicht krank ist, dem bringt maßvolles Fasten die Gesundheit zurück. Auch die Gesunden sollten diese Kur machen, weil es ihnen die Gesundheit erhält, damit sie nicht krank werden.“


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Mit dem Fasten treffen Glaube und moderner Lifestyle aufeinander: „Asche auf mein Haupt“

Glaube und Tradition sind seit einigen Jahrzehnten weit aus dem Alltag gerückt. So ist der Zusammenhang zu christlichem Brauchtum vielen Menschen gar nicht klar. Bekannt ist vielen das Sprichwort „Asche auf mein Haupt“, das seinen Ursprung in der römisch-katholischen Kirche findet. So beginnen die Gläubigen die Bußzeit am Aschermittwoch mit einem Gebet und geweihter Asche, die dem Gläubigen auf das Haupt gestreut wird.

Begleitet mit den Worten: „Gedenke, oh Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub wirst.“ Sie symbolisiert die Vergänglichkeit des Lebens, einem Thema, das heute gern tabuisiert wird. Mit einseitiger Sichtweise wird das Leben gern gefeiert, der Tod hinausgeschoben. Die vorösterliche Bußzeit jedoch erinnert uns an den Tod, an die Vergänglichkeit und gibt uns die Chance, jeden einzelnen Tag bewusst zu leben.

Positiv denken ist keine Erfindung der Neuzeit

In der Bibel heisst es: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht!“ In diesem Wort liegt die Weisheit, dass nicht nur der Genuss von Fleisch oder anderen Genüssen glücklich macht. Der Verzicht der Fastenzeit bringt den Menschen wieder auf den Boden der Tatsache, hat eine erdende Wirkung. Bedürfnisse, die auch in der Gegenwart gefragt sind. Sie müssen kein esoterisches Seminar absolvieren, um festzustellen, dass das Glück auf Erden selbst in den kleinsten Dingen zu finden ist. Wer für eine Weile auf Lebensmittel wie Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol verzichtet, erlebt einen Perspektivwechsel. Noch tiefgreifender sind Zeiten, in denen die Fastenzeit konsequent verfolgt wird. Allein der Genuss eines Löffel von Honig wird nach zwei Wochen Fasten zum kulinarischen Höhepunkt.

Die Bereitschaft auf Verzicht gilt heute als eine der grössten Herausforderungen

In einer Zeit von endlosem Konsum tun wir uns selbst einen Gefallen, eine Fastenzeit einzulegen. Wir begegnen uns selbst auf einer anderen Ebene. Wer noch nie gefastet hat, wird sehr schnell merken, wie hoch die Ansprüche im Alltag sind. Wir erwarten gefüllte Supermarktregale, einen vollständig gefüllten Kühlschrank und ein passendes Preis-Leistungsverhältnis im Restaurant.

Doch macht uns das glücklich? Leben wir damit psychisch wie physisch gesund?

Der Blick auf die Waage im Badezimmer gibt schnell Antwort darauf. Sind wir bereit, um für unser Wohlbefinden zu verzichten? Im Gegensatz zu: Wir konsumieren mit Nahrungsergänzungsmitteln und teuren IGEL-Leistungen mehr für unsere Gesundheit anstatt selbst in Aktion zu treten. Buße tun bedeutet letztendlich auch, den Kopf zu senken, demütig dem Leben oder dem Schöpfer gegenüber zu treten. Eine Eigenschaft, die auch in den modernen Lebensalltag passt. Kann der hohe Anspruch auf das Leben mit dem Moment des Glücks verglichen werden? Wohl kaum. Denn nach einer 40-tägigen Fastenzeit fühlt sich ein Sonnenstrahl auf der Nase genauso gut an wie eine kleine Praline. Und nur wenige Dinge können mit der Dankbarkeit kompensiert werden, die uns ein solcher Augenblick schenkt.

Übrigens, der Aschermittwoch 2023 – und damit der Beginn der Fastenzeit beginnt im nächsten Jahr am 22. Februar.

In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Fastenzeit!