Wer war Martin Luther?

... Gedanken zum Reformationstag

Gedanken zum Reformationstag

Ja, ja, wieder ein Feiertag. Wieder ein langes Wochenende mit Brückentag. Mehr gibt es nicht zu sagen? Oh doch. Und was Martin Luther damit zu tun hat? Nun, er war derjenige, dem Sie heute Ihren freien Tag verdanken. Ich stattdessen stelle mir die Frage: Was wäre Europa heute ohne Martin Luther? Denn ohne ihn wäre die europäische Kirche vermutlich heute noch einheitlich.

Der, der Europa auf göttlicher Ebene gespalten hat

Dass ausgerechnet das katholische Bayern den Reformationstag nicht feiert, ist klar. Warum sollten sie auch? Denn kein anderer als Martin Luther hat im späten Mittelalter die Römisch-katholische Kirche gespalten. Ein einziger Mann zog aus, kritisierte die wichtigste Lebensgrundlage der Menschen und wollte sogenannte Fehlentwicklungen bereinigen. Und schon begann er seine Reform, indem er sich ausgerechnet den Abend vor Allerheiligen aussuchte, um seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anzuschlagen.

Halten wir kurz inne und überlegen, was es bedeutete, im Jahr 1517 die Kirche in ihren Fundamenten zu brechen und im gleichen Atemzug, ganz Europa zu spalten. In jener Zeit war König Heinricht VIII. Tudor an der Macht. Er leitete selbstbewusst das riesige Königreich England. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Königreich finanziell und politisch stabilisiert, auch wenn das Spätmittelalter noch immer von Feldzügen und Eroberungen gekennzeichnet war.

Einem Feldzug dieser Grössenordnung stand einem König zu, doch einem Gelehrten?

Gut, Luther war Theologieprofessor und seit seinen frühen Jahren mit der Religion verbunden. Doch reichte dies aus, um die europäische Kirche zu entzweien? In seinen Arbeiten beschäftigte sich Luther eingehend mit der Kirche, dem Alltag und der Bibel. Er kritisierte, dass es hinsichtlich dem geschriebenen Wort und der Praktizierung des Kirchenlebens Unterschiede gab, die er gern reformiert hätte. Sein Wunsch war es, zum Ursprung der Bibel zurückzukehren und die Kirche somit zu reformieren.

Ist mit Luther das Besserwisser-Gen geboren?

Bestimmte Fehler tauchen in der Geschichte wohl immer wieder auf. So hatte Luther, als er die 95 Thesen an die Kirchentür nagelte, eine öffentliche Diskussion im Sinn. Die in Latein verfassten Thesen waren an weitere Gelehrte gerichtet, doch statt dessen nahm die Geschichte der Reformation ihren Lauf. Blickt man zurück in die lange Historie, dann tauchen – vielleicht seit Luther – immer wieder Deutsche immenser ideologischer Kraft auf, um tief bis ins Mark Veränderungen herbeizuführen. Auch dann, wenn ein grosser Teil der Gesellschaft diese Entwicklung gar nicht wünscht oder noch nicht bereit dazu ist.

Etwas mehr Demut würde Deutschland deshalb gut tun. Einen Schritt zurücktreten, um auch anderen Menschen / Ländern den Vortritt zu lassen. Nicht immer auf die Vorreiterrolle pochen um andere mitzuziehen. Den Kopf neigen und innehalten, beobachten, zuhören und zuweilen auch der Natur ihren Lauf lassen. Denn nicht alles lässt sich kontrollieren und steuern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen besinnlichen Herbst.  

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